Spenderbericht

Bericht des Frauchens eines “unserer” tapferen Spender:

Anders als beim Menschen, der ja für Konserven spendet, arbeitet man bei Hunden überwiegend mit Frischblutspenden. Der Unterschied geht ausschließlich zu Herzen.

Man lernt den Patienten selbst kennen, der in unserem Falle sehr sehr schwach und abgemagert auf seiner Decke lag und sich nicht mehr rührte - gerade mal ein zaghaftes Kopfheben war noch möglich.

Wer bis hierher vielleicht noch stellenweise zweifelte, ob man seinem eigenen Hund so eine Blutspende "antun" sollte oder nicht - wessen Herz so direkt sehen kann, wie elendig hilflos das schwerkranke Tier daliegt, der will nur noch helfen, ein so akut bedrohtes Leben zu retten.

"Unser" Patient ist eine 4jährige Berner-Senn-Hündin, die heute mittag zwei Frischblutspenden zu je 250 ml erhält.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Spenderblut gewonnen werden kann. In unserem Falle erfolgte dies über eine Halsschlagader und der Spenderhund wurde sediert; dies ist jedoch keinesfalls immer so.

Als erstes wird meine kleine Tapfere gewogen, dann wird ihr eine kleine Kanüle in einen Vorderlauf gelegt, aus der ein klein wenig Blut für ein Blutbild entnommen wird. Dann wird sie gründlich untersucht und die Herztöne werden abgehört. Erst wenn das Blutbild und die Untersuchung keine Befunde ergeben, wird der Hund für die Spende vorbereitet.

Der Halter des Spender-Hundes kann so ganz sicher sein, dass der eigene Hund wirklich gesund und fit genug für die Blutspende ist.

Über die Verweilkanüle im Vorderlauf wird der Spenderhund ein klein wenig sediert und auf die Seite gelegt. Am Hals wird ein kleines Stück Fell abrasiert, die Hautstelle wird gründlich desinfiziert, dann wird die Nadel in die Halsvene eingeführt und schon läuft das lebenrettende Blut in den vorbereiteten Beutel. Der Beutel liegt auf einer Waage, mit deren Hilfe die Blutmenge gemessen wird.Da es für Hunde keine eigenen Blutbeutel gibt, man muss sich mit Beuteln für Menschenblut behelfen. Wenn deren Fassungsvermögen eigentlich zu gross ist (was bei Mengen unter 500 ml immer der Fall ist), wird die ablaufende Blutmenge gewogen.

Nach deutlich weniger als 5 Minuten sind 250 ml abgelaufen und die Nadel kann wieder entfernt werden. Dann wird meine kleine Heldin zum "Wachwerden" draussen im Warteraum auf eine Decke gelegt.

Während mein Hund wach wird, läuft ihr Blut schon durch Luna's Vorderlaufvene. Schon jetzt kann man den Effekt der ersten Transfusion sehen: Luna ist schon wieder richtig lebendig: sie liegt mit aufrecht erhobenem Kopf, ihre hübschen schwarzen Augen wandern neugierig in der Praxis umher, sie zeigt ganz deutlich lebhaftes Interesse an den Vorgängen um sie herum. So werden wir unmittelbare Zeugen eines kleinen Wunders, dass uns mehr als nur berührt.

Auch meine Hündin wird schon wieder wach und lebendig, hebt den Kopf in meine Richtung und ihre Schnauze schnuffelt in meinem Gesicht. Kaum ist die Verweilkanüle aus dem Vorderlauf entfernt und versorgt, rappelt sie sich auch schon hoch und läuft neugierig durch die Praxis.

Für viele Hundehalter mag so ein Verhalten völlig normal sein - ich aber erkenne meinen eigenen Hund kaum wieder: meine eigentlich ängstliche und scheue kleine Heldin inspiziert völlig entspannt jeden Winkel der Praxis, strahlt und lacht über ihre Lefzen und fordert völlig ungeniert bei jedem einzelnem Anwesenden Streicheleinheiten ein - als wüsste sie nur zu genau, was sie geleistet hat und wozu.

Eigentlich geht man davon aus, dass der Hund nach einem Blutverlust zumindest etwas müde ist - aber das absolute Gegenteil ist der Fall: was da so fröhlich durch die Praxis hüpft ist das reinste Energiebündel. Eine Eigenschaft, die nicht gerade alltagstypisch für meinen Hund ist.

Als die kleine Spenderin dann auch noch ihre Patientin inspizieren will, ertönt von dieser ein deutliches Knurren. Wir können uns alle ein Lachen nicht verkneifen - zu groß ist die Freude darüber, dass Luna offensichtlich wieder fit genug ist, um ihren ganz besonderen "Futternapf" in Beutelform hundgerecht zu verteidigen.

Auch mein Hund nimmt es mehr als nur gelassen, setzt sich strahlend neben Luna's Frauchen und gönnt sich genussvoll noch eine Runde Streicheleinheiten. Luna's zweite Bluttransfusion ist mittlerweile auch schon durchgelaufen, sie futtert genüsslich die von der Tierärztin löffelweise gereichte Schonkost.

Wir bekommen wir noch ein großzügiges Fresspaket und den Ausdruck der Blutwerte, dann dürfen wir auch schon wieder nach hause. Dabei hat es mein Hund durchaus nicht eilig, die Praxis zu verlassen; ganz offensichtlich fühlt sie sich hier absolut wohl und die ganze Aufregung hat sie nicht nur ausnehmend gut weggesteckt, sie schien sie geradezu geniessen. Auch während der Fahrt nach hause und für den Rest des Tages erlebe ich einen fast schon albern-fröhlichen, energiegeladenen und absolut zufriedenen Hund. Ich würde jeden Eid darauf schwören, dass sie ganz genau "weiss", welch große Tat sie letztlich vollbracht hat. Auch wenn es in Wirklichkeit vielleicht "nur" die liebevolle Behandlung in der Praxis, die dankbaren Streicheleinheiten von Luna's beiden Frauchens und der positive Nebeneffekt eines Aderlasses ist, der dafür verantwortlich ist.

Jetzt bleibt uns nur noch zu hoffen, dass Luna mit Hilfe des gespendeten Blutes genügend Zeit und Kraft gewonnen hat, ihre Grunderkrankung erfolgreich bekämpfen zu können. Als mein Hund im Auto sass, bin ich noch einmal kurz zurück in die Praxis, um Luna etwas näher kennenlernen und streicheln zu können. Ihr Fell und die Augen sind stumpf, ihr Blick etwas leer; sie ist wirklich knochendürr und die Nase ist sehr warm und trocken - man merkt deutlich, dass sie ersthaft krank ist, auch wenn die beiden Transfusionen schon für ein kleines Wunder gesorgt haben.

Liebe Luna, wir drücken dir alle Daumen und Pfoten, dass du recht bald wieder ganz gesund und kräftig bist und wir dann auch den versprochenen gemeinsamen Spaziergang machen können. Wir wünschen uns alle nichts sehnlicher, als dass das Blut der beiden Spenderhunde dir nicht nur "schnöde" Ery- oder Thrombozyten gibt, sondern dass du auch von deren Fröhlichkeit und Kraft zehren und profitieren kannst - bis du sie mit deiner eigenen wieder in den Schatten stellen kannst.

Die technischen Voraussetzungen sind gelaufen - jetzt bleibt nur noch abzuwarten und auf das große Happy-End zu hoffen. Die Kraft daran wieder zu glauben, haben wir nach einer Stunde voll kleiner Wunder alle mit nach Hause genommen.

Liebevolle Grüße

Gabi, Cara und das gesamte Team der Blutspendekartei

Anmerkung zum Abauf einer Blutspende:

Anstatt aus der Halsschlagader kann Spenderblut natürlich auch aus Beinvenen gewonnen werden. Der Vorgang verlängert sich dadurch allerdings wesentlich. Auch eine Sedierung oder gar Narkose ist nicht zwingend notwendig, der Hund muss dann allerdings relativ lange sehr still halten oder entsprechend festgehalten werden.

Für den Spenderhund kann ein Festgehaltenwerden sehr viel unangenehmer sein, als eine leichte Sedierung. Manche Hunde reagieren darauf sehr gelassen oder gar nicht, manchen Hunden ist es nur unangenehm - mein Hund reagiert darauf fast schon panisch.

Der Anblick eines sedierten Hundes widerum ist für den Halter zumindest gewöhnungsbedürftig. Da der Hund bei einer leichten Sedierung aber im Prinzip alles vage mitbekommt (es stört ihn nur nicht), ist die Anwesenheit des Halters ein nicht ganz unwichtiger Faktor für das psychische Wohlbefinden des Spenderhundes.

Unter Sedierung geht der ganze Vorgang sehr viel schneller, es braucht nicht einmal eine Verweilkanüle gelegt zu werden, so dass wirklich in 5 Minuten alles erledigt ist. Ein schon vom Naturell her unruhiger Hund ohne Sedierung muss unter Umständen von mehreren Personen in eine Position regelrecht gezwungen werden und dabei sind dann selbst 5 Minuten wirklich lange.

Seit Joey's Geschichte war dies das erste Mal, dass wir Erfahrungen unter Sedierungsbedingungen gemacht haben. Das Risiko von Verletzungen durch unvermittelte Bewegungen während der Blutentnahme kann nur durch ein ruhendes Verharren des Hundes ausgeschlossen werden. Auf welche Weise dies sichergestellt wird - bleibt letztlich eine sehr individuelle Entscheidung. Für meinen Hund wäre selbst nur ein leichtes Festhalten der Pfote über einen längeren Zeitraum sicher die größere Belastung gewesen.

Um Missverständen vorzubeugen: der auffallend energiegeladene Zustand meines Hundes nach der Spende hat keinen wie auch immer gearteten Zusammenhang mit der Sedierung. Denn so unterschiedlich alle uns bisher bekannten Blutspenden auch abgelaufen sein mögen - dies ist allen gemeinsam. Die Spenderhunde waren im Anschluss an die Blutspende ausnahmslos alle voller Energie und Tatendrang. Woran auch immer dies letztendlich liegen mag :)

Ach ja - das hatte ich noch vergessen:

Eine Blutgruppenbestimmung muss bei einer 2. Transfusion nur dann erfolgen, wenn zwischen 1. und 2. Transfusion eine gewisse Zeit verstrichen ist (ca. 2 Wochen). Erst dann haben sich Antikörper gebildet.

Wenn - wie bei Luna - die Transfusionen unmittelbar hintereinander erfolgen, geht das ganz problemlos. Vorsichtshalber hat Luna aber Cortison bekommen.

Deshalb weiss ich jetzt auch immer noch nicht, welche Blutgruppe Cara hat :) Ganz sicher aber hat sie eine appetitfördernde Blutgruppe --- Luna geht es immer noch (relativ) gut und sie frisst (was ja schon viel heisst bei ihr). Stehen kann sie immer noch nicht, das war aber auch nicht zu erwarten, sie hat ja so gut wie keine Muskulatur mehr. Die Laborergebnisse werden so etwa für Montag oder Dienstag erwartet.

Liebe Grüße

Das Energiepäckchen Cara und ihr stolzes Frauchen

Vom Energielevel her ist sie heute schon wieder ganz die alte "und-sie-bewegt-sich-doch"-Cara :))) Diesen selbstzufriedenen Ausdruck in ihrem ganze Gehabe hat sie allerdings immer noch ...

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