Parasiten-Story

Die Geschichte von Joey und Aischa - eine Warnung!

Freitag, 07.05.2004:
Joey erbricht nachmittags sein Futter - noch kein grosses Alarmzeichen

Samstag:
Joey steht "komisch" vor mir, er lässt die Ohren hängen, steht breitbeinig und macht einen schlappen Eindruck. Die Collieaugen sehen mich gross und traurig an, ich messe Fieber und stelle 40,5° fest. Wir starten sofort zur Tierärztin. Da es nach Magenverstimmung aussieht meint sie ob wir VOR der Behandlung eine Blutuntersuchung machen möchten um die genaue Ursache festzustellen, klar wollen wir. Die Blutuntersuchung ergibt schlechte Leberwerte, sonst ist alles ok.

Sonntag:
Die Urinprobe ist auch in Ordnung. Wir verabreden uns für Montag um eine
Untersuchung auf südl. Krankheiten zu machen, wir waren ja gerade in Frankreich. Danach hatte Joey eine Zahnsteinentfernung unter Vollnarkose bekommen, mögliche Ursache für die Leberwerte, da Abbau des Betäubungsmittels. Joey frisst und trinkt einigermassen normal, allerdings nur Grillhähnchenfleisch, das Fieber steigt max. auf 39,2 wir geben ihm Fieberzäpfchen.

Montag:
Die grosse Blutprobe wird entnommen und wird ins Labor geschickt um auf
Leishmaniose, Babesiose, Ehrlichiose usw. zu testen. Er bekommt Antibiotika und fiebersenkende Mittel, sowie ein Leberaufbau-Mittel Abends hat er immer noch nichts gefressen, nur getrunken, und er wirkt apathischer. Wir fahren noch mal in die Praxis und er bekommt Elektrolyte über Infusion bis spät Abends.

Dienstag:
Joey wird geröntgt und über Ultraschall untersucht. Ergebnis: Leber verändert, aber keine Tumore, Milz normal, Nieren arbeiten gut, Blase ok, er bekommt wieder Tropf. Es scheint ihm besser zu gehen, er verschlingt hungrig einen grossen Beutel Leckerchen und säuft wie ein Loch. Sein Urin ist komisch rötlich, noch mal Blutprobe. Rote Blutkörperchen haben abgenommen! Alle Werte leicht verschlechtert.

Mittwoch:
Morgens Tropf und er lässt sich zu Leberwurstbrot und ein paar Leckerchen
überreden. Nachmittags dann das Laborergebnis: Babesiose! Diese Parasiten
(Protozoen)setzen sich im Blut fest und zerstören die roten Blutkörperchen, damit
töten sie den Hund. Meine Tierärztin hängt sich ans Telefon und versucht
das in Deutschland verbotene Medikament Imizol oder Carbesia zu besorgen.
Fieber ist runter und Joey fühlt sich einigermassen.

Donnerstag:
Morgens Tropf und die TÄ gibt die Ergebnisse der Medikamentensuche bekannt:
In England, Versand mind. 10 Tage, in Frankreich, 5 Tage. Wir sagen ihr das
wir es aus Frankreich heute noch holen werden, frühestmöglicher Zeitraum
der Injektion Samstag. Sein Urin wird heller, aber wir haben Schwierigkeiten mit seinen Venen, sind alle dicht, deswegen legen einer Infusion im Hinterbein erforderlich. Unsere TÄ kündigt uns einen möglichen Klinikaufenthalt an wenn diese Braunüle auch noch rausrutscht. Ich hab das Medikament nicht in Frankreich, aber in der Schweiz aufgetrieben, Tom steht in den Startlöchern nach Chiasso zu fahren.
Da ich die Geschichte in drth veröffentlicht habe, krieg ich eine E-Mailadresse einer betroffenen Hundehalterin. Diese schickt mir sofort ihre Telefonnummer. Ich erfahre das sie in der TK München das Imizol vor Ort haben, meine TÄ meldet uns sofort an, wir haben Termin Freitag, 9.00Uhr. Tom und meine Tochter Selina starten mit beiden Hunden nach München (auch Aischa zeigt Fieber, hat nach der sofortigen Blutuntersuchung niedrige Erytrozytenwerte, sonst ist sie symptomlos).

Freitag 14.05.2004:
Die TÄ in der TK meinen das Joeys Zustand so gut ist, das er das Imizol gut verträgt. Er bekommt die Spritze und sie dürfen nach Hause mit der 2. im Gepäck, die nach 14 Tagen fällig ist. Tom bleibt aber in München um Aischas Ergebnis auf Babesiose abzuwarten. Nachmittags läuft plötzlich Blut aus Joey's Nase, Tom bringt ihn sofort in die Klinik. Seine Erys sind im Keller (14 von mind.35), und das Schlimmste: seine Thrombozyten zerstören sich selbst. Er muss eine Transfusion bekommen und wird stationär aufgenommen. Da Aischa ausscheidet suchen wir zusammen mit der Klinik sofort einen Blutspendehund. Erst nachts gegen 12.00 Uhr ist er gefunden und kommt in die Klinik. Joey hat eine Konserve bekommen aber die hat nicht gereicht. Wir können nichts mehr tun.

Samstag:
Gegen 11.00Uhr der erlösende Anruf der Klinik, Erys sind auf 21 (er bildet selbst wieder welche) und Thrombos sind zwar noch schlimm, aber steigende Tendenz. Die Klinik hat sich bei meiner TÄ auch noch mal genauer über Aischa erkundigt und sie raten an das Aischa morgen um 11.00 Uhr vorbeugend Imizol bekommt, das Laborergebnis ist erst am Montag da. Ich laufe auf Hochtouren um weitere Blutspender (diesmal sollte es dieselbe Blutgruppe sein) aufzutreiben. Ich telefoniere den ganzen Tag bis alle Telefonakkus leer sind, sie werden nicht geschont. Angela baut mit mir zusammen ein Netzwerk der Information im Internet auf und wir posten in alle Listen. Der Blutspender muss aus München sein, Eile ist geboten wenn es soweit ist, und es muss Frischblut sein. Nachts um 1 Uhr hat die Klinik noch immer keinen Stillstand oder Verschlechterung gemeldet und wir haben 6 Leute mit ca. 8 Hunden zusammen, die alle Gewehr bei Fuß stehen, auch nachts, und auf unseren Anruf warten.

Sonntag:
Aischa wird Imizol injiziert, dann dürfen sie Joey sehen. Er freut sich sehr, ist aber total matt und schlapp. Er lässt sich auch nach dem Besuch ganz gern wieder in seiner Box in der Klinik nieder. Sie scheinen ihn sehr gut zu behandeln, er begreift das er noch dableiben muss. Aischa kotzt auf dem Heimweg und ist den ganzen Tag matt. Durchfall ist nicht so schlimm und Abends vorbei.

Montag:
Aischas erste Werte sind da, keine Babesien gefunden. Wie atmen auf! Das Imizol hat sie gut weggesteckt. Joey ist soweit stabil, der Blutwert ist auf 24 geklettert, das er mit nach Hause darf. Wir beschliessen doch noch einen Tag mit der Heimfahrt zu warten um ganz sicher zu gehen. Sie machen noch eine Blutuntersuchung im Tropeninstitut auf Ehrlichiose. Die Thrombozyten weisen darauf hin.

Dienstag:
Wir haben zu früh aufgeatmet. Aischas komplette Werte sind da. Sie hat Babesienerbgut im Blut und einen irrsinnig hohen Leishmaniosetiter (1:3200). Also sofort wieder in die Klinik mit Aischa. Dort werden wir mit Allopurinol versorgt, beide Hunde werden vorsorglich mit Doxyciclin gegen die Ehrlichiose behandelt - und wir werden mit der 2. Gabe Imizol und einer Behandlungsempfehlung für Aischa nach Hause entlassen. Aischa soll Glucantime bekommen.

Mittwoch:
Nachdem es beiden Hunden soweit gut geht starten Tom uns Selina am Spätnachmittag (in M sind es 25°) nach Hause.

Donnerstag bis Donnerstag:
Die Hunde erholen sich langsam, Blutuntersuchungen in regelmässigen Abständen, Spezialfutter, Vitamine. Wir besorgen uns alles an Infos was wir bekommen können. Dr. Naucke, mit dem ich seit Joeys Diagnose in Verbindung stehe berät in Sachen Leishmaniosebehandlung und gibt den Tip für ein besser abgestimmtes Doxyciclin. Er erzählt mir von dem Oleyl-PC, einem neuen Medikament das nebenwirkungsfrei ist und mit dem sie schon Erfolge erzielt haben. Meine TÄ grast alle Infoquellen ab. Joey soll Freitag die 2. Dosis Imizol bekommen und ich nehm mir mal kurz einen Nervenzusammenbruch vor Angst. Wir beraten das erst ein weiterer Test auf Babesien gemacht werden soll. Sind die Dinger im Blut nicht mehr direkt nachweisbar soll er nur die halbe Portion bekommen und den Rest am Dienstag.

Freitag 28.05.2004:
Das Ergebnis lässt auf sich warten, wir verschieben auf Samstag. Ich hab inzwischen unsere Hundebekannten hier mobilisiert, für den Fall das wir wieder Blutspender brauchen. JEDER den ich anrufe ist bereit auf Standby zu gehen - ganz vielen Dank dafür!!!

Samstag:
Sie haben keine Babesien im Blut gefunden - die Dinger haben sich in Lauerposition zurückgezogen oder sind schon ganz vermiest. Joey bekommt die halbe Dosierung Imizol. Bis jetzt, 00:10 am Sonntag sind keine schlimmen Nebenwirkungen aufgetreten. Er schaut uns nur mit total übermüdeten Augen an: ja wollt ihr denn gar nicht ins Bett? Nein, wir wollen nicht. Wir werden Wache halten bis er ausser Gefahr ist.

Sonntag bis Montag:
es geht ihm gut, er hat es gut weggesteckt

Dienstag:
der Babesiosetest für beide Hunde ist negativ, auch kein Erbgut wird gefunden. Beide bekommen die letzte Portion Imizol. Beide haben keine Nebenwirkungen, es geht ihnen gut. Blutbild ist wieder Mittwoch nächste Woche.

Für die bisher entstandenen Kosten könnte man einen guten Kleinwagen kaufen - und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Wo wir uns das alles eingefangen haben?

Wir waren für 1 Woche in der Bretagne mit dem Wohnmobil und sind über das Loiretal nach Deutschland zurückgefahren. Dort muss die Zecke zugeschlagen haben. Aischas Leishmaniose muss von unserem einzigen letzten grösseren Urlaub sein, Italien 2002, Toscana und Mittelmeer.
In Italien waren unsere Hunde mit einem Floh- und Zeckenhalsband (ich weiss nicht mehr genau welches) geschützt. Ausserdem haben wir sie regelmässig eingesprüht. Gegen Borreliose waren sie auch geimpft. Für Frankreich hatten wir uns dieses Jahr Scalibor besorgt. Gegen die Sandmücken (Leishmaniose) waren sie gut geschützt, nur gegen die Übertragung der Babesien nicht, da reicht der Biss der Zecke sofort. Es gibt eine Impfung mit dem Wirkstoff der in Imizol ist, in D nicht zugelassen, dieser bietet einen Schutz gegen Todesfälle für 4 Wochen, infizieren tun sich die Hunde trotzdem. Wir finden diese Infos so wichtig das wir um Verbreitung bitten möchten. Kein Hund soll mehr in diese Falle geschickt werden. Babesien sind inzwischen nachgewiesen am Niederrhein, in München und in BaWü. Frankreich im Süden, Norden, an der Loire und im Elsass. In allen Mittelmeerländern dito sowie in Asien und Afrika.

Wer Infos braucht kann sich gern bei uns melden, wir geben gern alles weiter, was wir selbst inzwischen erfahren haben.

Nun noch eine ganz wichtige Sache:
Joey hätte fast sein Leben gelassen weil in München keine Blutbank vorhanden war, bzw. die Klinik keine Frischblutspender auf Abruf hat. 2 engagierte Tierschützerinnen werden eine Liste aufstellen mit spendewilligen Hunden(Haltern) die im Notfall einem anderen Hund das Leben retten. Die Blutspende ist wie beim Menschen sogar gesund, weil Erneuerung für das Blut. Die Liste wird nach Postleitzahlen geführt und soll möglichst allen Tierärzten und Kliniken zur Ermittlung eines Spenders dienen. Sie verbleibt bei den auf
www.weissepfoten.de angeführten Ansprechpartnern mit den Nottelefonnummern. Diese informieren dann im Notfall den gelisteten Spender und stellen den Kontakt her. Bitte lasst Euch zahlreich eintragen, Ihr könnt Hundeleben retten. Ich werde mich auch an dem Projekt beteiligen und unsere Telefonnummer zur Verfügung stellen, sowie Adressen sammeln. Der Spenderhund sollte gesund, 2-10 Jahre alt, und mindestens 20 kg schwer sein.